Wandern mit Hund – das habe ich eigentlich mein ganzes Leben schon gemacht. Zuerst mit geliehenen Hunden, dann mit meinen eigenen. Während meiner aktiven Rettungshunde- und Hundesportzeit ist das alles etwas eingeschlafen – wir waren auch ohne kilometerlange Wanderungen perfekt ausgelastet.
Lies in diesem Beitrag:
Veränderungen akzeptieren
Lebensumstände ändern sich. Einige schleichend, andere abrupt. Das ist nicht immer schön, aber es gehört dazu. In den vorherigen Blogbeiträgen habe ich immer mal wieder von den Veränderungen berichtet, die ich zurzeit ganz persönlich erlebe.
Der nicht ganz freiwillige Verkauf meines Autos beendet einen bisher prägenden Bereich meines Lebens: Hundesport.
Das war natürlich ganz anders geplant: Erst wenn ich keinen Hund mehr habe brauche ich kein Auto mehr. Nun hatte das Leben aber andere Pläne und so stehe ich da mit einem alten Hund, einem Hund in den besten Jahren, der nicht gesellschaftsfähig ist und ohne Auto.
Dafür habe ich jetzt mehr Zeit. Eine Teilzeitstelle, die mein Überleben sichert, und danach viel Freizeit, die ich ausfüllen muss. Nun war meine Freizeit über Jahrzehnte bestimmt von Abenteuer und Training mit meinen Hunden. Und das war gut so. Ich war zufrieden, die Hunde waren zufrieden und auf alles andere, was normale Menschen so in ihrer Freizeit machen, konnte ich problemlos verzichten.
Neue Wege suchen
Jetzt habe ich also ein paar Wochen damit zugebracht, mich nach neuen Hobbies umzuschauen. Und habe ein Hobby aus meiner Jugend, das irgendwie trotzdem immer nebenher da war, noch einmal ganz neu entdeckt: Modellpferde.
Und das zweite, was ich eigentlich mit meinen ersten beiden Hunden als Hauptbeschäftigung gemacht habe: Wandern. Das klingt logisch: Hund nehmen und losmarschieren, soweit die Füße tragen. Problem: Chap schafft gerade so 3 kleine Gassirunden am Tag und Finn – ist eben Finn.
Wandern mit einem Hund – der Wunsch-Zustand
- Mein Hund geht an lockerer Leine mehrere Kilometer mit mir
- Er ignoriert Menschen und Tiere
- Er bleibt bei Pausen auf dem zugewiesenen Platz liegen
- Er steigt ohne zögern in Bus, Bahn oder Gondel ein und verhält sich darin ruhig
- Er lässt sich ohne Probleme untersuchen und einen Verband anlegen
Was hier so einfach klingt, und sicher auch für ganz viele Hunde völlig normal ist, erscheint mir für Finn und mich nahezu unerreichbar. Wenn dein Hund das alles kann, brauchst du den Rest nicht zu lesen: Zieh die Wanderschuhe an, den Rucksack auf, nimm deinen Hund und lauf einfach los!

Training zum Wandern mit einem Hund
Folgende Dinge solltest du mit deinem Hund trainieren, damit er zum zuverlässigen Wanderpartner wird:
- Maulkorbtraining
- Leinenführigkeit
- Gewöhnung an den urbanen Raum
- Gewöhnung an Bus- und Bahnfahren
- Platz und Bleib, komme was mag
- ignorieren andere Hunde
- ignorieren von fremden Menschen
- medizinische Versorgung zulassen
Zu den einzelnen Themen werde ich noch ausführliche Blogbeiträge verfassen, am besten abonnierst du meinen Blog, dann verpasst du nichts
Wandern mit Finn – der Ist-Zustand
- Extrem eskalierende Reaktionen auf alles Fremde
- völlige Überforderung im Straßenverkehr und mit Menschen
Er und ich können aber auch schon einiges:
- Maulkorb aufsetzen und tragen sind Dank gutem Training gar kein Problem
- ich kann ihn mittlerweile gut einschätzen und sehr oft deeskalieren, bevor er völlig aus der Haut fährt
- ohne Ablenkung in Form von Monstern und Waldgeistern kann er auch lange Strecken sehr gut an lockerer Leine entspannt neben mir trotten
Wenn du gerne mehr über das wie und warum mit Finn lesen möchtest, findest du vorherige Beiträge in der Kategorie Wandern mit Finn
Urbanes Training – langsam starten
Normalerweise fängt man mit einem Welpen bereits an, ihn ans Stadtleben, Menschen, Straßenverkehr und Busfahren zu gewöhnen. Für die meisten Hunde kein Problem – für manche die Hölle.
Finn war tatsächlich mein erste Welpe, bei dem das überhaupt nicht möglich war. Er war so extrem überfordert von den Eindrücken, dass er Panik-Attacken bekam – keine Chance in dieser Situation überhaupt irgendwie an ihn ranzukommen.
Das war der Moment, in dem ich erkannt habe: Dieser Hund ist anders als alle, die ich vorher trainiert habe, er passt in kein 08/15-„Da muss er jetzt durch“-Hunde-Trainingskonzept. Ohne eine vertrauensvolle Beziehung zwischen ihm und mir brauche ich solche komplexen Trainingsversuche erst gar nicht anzupacken.
Wenn du mit einem schwierigen Hund zusammen lebst machst du irgendwann Kompromisse, verzichtest auf Dinge, die du eigentlich gern tun möchtest, nur um Stress zu vermeiden.
Wir haben mittlerweile viel an unserer Beziehung gearbeitet, allerdings war mir das urbane Training nicht so besonders wichtig. Ich habe Finn im Hundesport ausgelastet und wenn ich mal Genusswandern wollte, dann blieb Finn eben zuhause.
Jetzt aber hat sich mein Leben radikal verändert – siehe oben.
Und das heißt auch: Das Leben meiner Hunde muss angepasst werden. Natürlich könnte ich einfach nicht wandern gehen solange meine Hunde leben. Finn ist jetzt 7. Das könnten also locker nochmal 7 Jahre sein. Aber vielleicht kann ich dann gar nicht mehr wandern gehen, ich werde nicht jünger und wandern als Sport dient nicht zuletzt auch meiner Gesundheit. Und: Ich will auch nicht darauf verzichten zu wandern!
Also habe ich angefangen, mich mit Finn mehr und mehr in den bebauten Raum vorzuwagen. Noch sind es Seitenstraßen, die ich gut einsehen kann und wo ich Möglichkeiten zum Ausweichen habe, wenn eine Situation auftritt, mit der Finn gar nicht klar kommt.
Gesichert mit Maulkorb, kurzer Leine am Halsband und zur Sicherheit eine Leine am Geschirr in der anderen Hand haben wir heute nach langer Zeit noch einmal eine Runde durch den städtischen Bereich gedreht. Zuerst sind wir natürlich ins Gebüsch, damit er seine hündischen Geschäfte erledigen konnte, dann aber hieß es 3 Kilometer einfach an meiner Seite durch Menschenbiotope marschieren.
Als uns auf der gegenüberliegenden Seite ein laut keifender fremder Hund entgegen kam tauchte Finn kurz am Seitenrand in einen unfassbar spannenden Geruchspool ab – das habe ich zugelassen, weil es die beste Alternative zur Eskalation ist, die er in diesem Moment anbieten konnte und vor allem: Er hat ein alternatives Verhalten angeboten! Das Ziel ist natürlich, dass er einfach weitergeht, aber man muss ja am Anfang nicht gleich das Unmögliche erwarten.
Danach hat er noch ein paar Mal versucht ins Schnüffeln abzutauchen, weil er Stimmen von Menschen gehört hat, das habe ich ihm allerdings nicht erlaubt, weil ich weiß dass er das bewältigen kann. Er hat sich darauf schnell eingelassen (Vertrauen!) und ist anschließend schon sehr mutig mit mir an einigen Menschen vorbeigegangen.
Wichtiger Hinweis zum Training in der Stadt
Teer und Pflastersteine sind für die Pfoten, aber auch den ganzen Bewegungsablauf gewöhnungsbedürftig. Sie geben nicht nach, was Gelenke und Bänder beansprucht, und sind rau, was Ballen und Krallen beschädigen kann. Wenn dein Hund sonst überwiegend auf Gras und Waldwegen läuft ist es wichtig, dass du das Laufen auf Teer und Pflastersteinen langsam steigerst.
Bei Temperaturen über 25° C solltest du überprüfen, ob der Boden heiß ist. Planst du Wanderungen im Hochsommer sollte dein Hund unbedingt auch an das Tragen von Hundeschuhen gewöhnt werden. Ich persönlich gehe bei großer Hitze nicht wandern und schon gar nicht mit meinem Hund.






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