Problemhund? Such dir ein Hobby!

Wenn man einen Hund hat, der in vielen Bereichen anstrengend ist wie mein Finn, braucht man ab und zu jemanden, der von außen drauf schaut. Im Idealfall ist das ein Trainer, der wirklich Erfahrung mit Hunden hat, bei denen die 08/15 Erziehungstipps nicht funktionieren.

Kürzlich bekam ich von jemandem, der den Hund noch als Hund sieht, den Tipp: Hör mal auf mit deinen Gedanken ständig nur um deinen Hund zu kreisen und such dir ein Hobby!

Und weißt du was? Da hat er recht!

Wenn sich die Welt um deinen Hund dreht

Es ist verständlich, dass ein Hund, der besondere Eigenheiten hat und nicht einfach so im Alltag mitläuft, einen großen Teil deiner Aufmerksamkeit braucht. Aber eben nicht ununterbrochen und auch dann, wenn du eigentlich gerade Zeit für dich brauchen würdest.

Denn es passiert genau das, was deinem Hund nicht hilft: Die ganze Welt dreht sich ausschließlich um ihn. Er ist der Mittelpunkt des Universums. Und auch wenn es schwer fällt: Da gehört kein Hund hin. Glaubt mir: Kein Hund möchte da stehen.

Hunde sind über Jahrtausende gezüchtet worden um uns zu begleiten – bei der Jagd, in der Landwirtschaft, als Aufpasser, Sportpartner oder Gesellschafter. Entsprechend der Aufgabe entstanden unterschiedliche Rassen, von denen lediglich die reinen Begleithunde für das taugen, was die meisten Hundebesitzer heute von einem Hund verlangen: klein, süß aussehen und jederzeit kuschelbar.

Finn wurde mir ja fälschlicherweise als Malinois/Border Collie Mischling von den Tierschützern verkauft und sollte bei mir entsprechend des Rassemix als Rettungs- und Sporthund arbeiten. Mehr dazu und warum alles ganz anders kam lest Ihr in den Beiträgen der Kategorie Meine Hunde und ich.

Trotzdem ist er in vielen Bereichen ausgebildet, eben nur ohne die Möglichkeit, an Prüfungen oder Wettbewerben teilzunehmen. Ich konnte also mit ihm zusammen meine Hobbies Rettungshundearbeit und Hundesport ausleben. Hund glücklich, Mensch glücklich.

Dann aber kam auch hierfür das Aus und plötzlich stehe ich da mit meinen beiden hoch spezialisierten Hunden, von denen ich immer wieder gesagt habe „die sind nicht für Spaziergänge gemacht“ und kann im Grunde kaum etwas anderes machen als mit ihnen spazieren gehen. Ich versuche trotzdem das Beste draus zu machen, mehr dazu in meinem Beitrag Frühling – nichts wie raus.

Aber reicht das? Meinen Hunden, mir? Spaziergänge mit Finn sind nun einmal anstrengend, Wandern mit Finn ist immer Training mit Finn. Deshalb habe ich angefangen, ab und zu mir die Freiheit zum Wandern ohne Finn zu nehmen, einfach mal das Wandern genießen. Klar, das große Ziel ist, auch die langen Wanderungen mit Finn zu bewältigen, daran arbeiten wir noch.

Gut, das reicht für die Hunde. Trotzdem spüre ich bei Finn wenig Entspannung. Ich setze mich hin zum Essen, zum Arbeiten oder zum Fernsehen und Finn kommt immer und immer wieder an, stupst mich, bringt Spielzeug, wandert hin und her. Erst ein klares Wort sorgt dafür, dass er sich ins Körbchen verzieht. Ich fühle mich nicht gut.

Und genau da liegt der Punkt: Mein Universum kreist noch immer um diesen Hund. Und Finn ist mit dieser Rolle völlig überfordert. Und da setzt der oben genannte Tipp des befreundeten Trainers ein: Such dir ein Hobby!

Erlöse deinen Hund aus dem Zentrum des Universums

Ich mache also meinen Hund wieder zu dem, was er ist: ein Begleiter, ein Familienmitglied – aber er ist nicht der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens. Er ist mein Hund, er hat seinen Platz im Tagesablauf, er darf in meiner Wohnung leben mit Chap zusammen und sich hier frei bewegen.

Und er darf mich ab und zu draußen begleiten und auch dort Hund sein, schnüffeln, mal ein Suchspiel machen, aber eben auch einfach mal an der Leine mit mir mitgehen. Und damit genau den Platz einnehmen, den Hunde immer an der Seite von Menschen hatten: treue Begleiter.

Neues altes Hobby wiederbelebt

Und dann komme ich. Ganz egoistisch ich. „Jetzt bin ich dran!“ ist ein Satz, der besonders uns Frauen der Boomergeneration extrem schwer fällt. Wir sind geprägt vom Zurückstehen, Helfen, Bescheiden sein und keine Ansprüche stellen. Und wenn die Kinder aus dem Haus sind (oder Frau gar keine hatte) übertragen wir diese konditionierte Fürsorge auf unseren Hund. Und schieben ihn damit unbeabsichtigt in das oben erwähne Zentrum des Universums. Und damit können ganz besonders die unsicheren Hunde (das sind die allermeisten) überhaupt nicht umgehen und die selbstsicheren Hunde sind in dieser Position nun wirklich nicht gewollt.

Also: ein Hobby muss her, das mich von Finn ablenkt, das mir wichtig ist, Freude und Erfolge bringt und mit dem ich mich 100 % identifizieren kann.

Und weißt du was? Ich habe ein solches Hobby seit ich ein Kind bin: Modellpferde. Sammeln, Spielen, Basteln, Show – die Modellpferdewelt war meine Leidenschaft bevor ich intensiv mit Hunden zu arbeiten begann. Und auch wenn ich mich viele Jahre nicht drum gekümmert habe, sie sind noch hier. Zugestaubt und in Kartons, aber noch immer bei mir. Und immer mal wieder habe ich ein neues Sammlerstück hinzugefügt.

Also Zeit, sich mal wieder intensiv ins Modellpferdehobby reinzuknien. Es macht ja auch Sinn, das Hobby meiner Jugend auch im letzten Drittel meines Lebens wieder zu pflegen. Das macht die Sache irgendwie rund.

Eine Reiterfigur auf einem Pferd, begleitet von einem Pack Maultierund einem Hund, vor einer herbstlichen Landschaft. Modellpferd 1:32 made by Monika Münker
Eins meiner Modelle von früher: Eine Wanderreiterin im Maßstab 1:32, Figuren von Breyer, Stone und Britains bemalt, mit Zaumzeug bestückt und in Szene gesetzt von mir.

Wer gerne einen Einblick in dieses Hobby haben möchte, ich habe einen eigenen Facebook-Kanal dazu: hier geht’s zu meiner Minifarm. Ich überlege auch einen Blog und einen YouTube Kanal für die Modellpferde anzulegen. Aber jetzt muss ich die Ponies erst mal hervorkramen und von Staub befreien. Und vielleicht ein bisschen shoppen gehen….

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