Heute habe ich auf Facebook einen Beitrag gesehen, in dem Hunde tote Enten aus einem Gewässer apportierten. Zugegeben: Für Nicht-Jäger ist dieser Anblick ungewöhnlich, viele Tierfreunde finden das auch verstörend. Die Frage, ob die Jagd heute noch zeitgemäß ist kann man diskutieren, aber darum geht es mir hier gar nicht.
In dem Video, das Bilder von einem Seminar zur Jagdhundeausbildung zeigt, konnte man Hunde ganz unterschiedlicher Rassen bei der Arbeit sehen. Retriever, Vizslas, Spaniel, Setter und andere Jagdhunderassen zeigten alle einen sehr guten Grundgehorsam, Ruhe beim Einweisen, holten die tote Ente ruhig und zielsicher aus dem Wasser und übergaben sie nach dem Vorsitzen an ihren Menschen.
Und wisst Ihr, worüber ich die ganze Zeit nachdenken musste, während ich diese Hunde bei ihrer Arbeit anschaute? An die vielen Hunde genau dieser Rassen, die ihr ganzes Leben lang nichts weiter tun als spazieren gehen. Ich sehe Vizslas, die unsicher und verängstigt hin- und herwechseln, Retriever, die unmotiviert hinter ihren Menschen hergehen und Setter mit stets seidig glänzendem langen Fell die ihren Menschen von einer Schnüffelstelle zur nächsten ziehen.
Dackel, Terrier, Spaniel, Pudel – sie alle dürfen nur spazieren gehen. Sie schnüffeln den ganze Spazierweg, verfolgen zielsicher eine Fährte und müssen diese aufgeben, weil der Mensch in eine andere Richtung will. Sie stöbern Mäuse- und Kaninchenbauten unter der Erde auf und wenn sie danach graben wollen dürfen sie es nicht.
Golden und Labrador Retriever werden schon seit vielen Jahren mit möglichst wenig Jagdtrieb gezielt als Familienhunde gezüchtet. Aber immer wieder schlägt das Jahrhunderte alte Erbe dann doch bei dem ein oder anderen durch. Außerdem werden viele Linien noch immer jagdlich geführt, das Selbe gilt für andere Retriever-Rassen, Rauhaardackel, Vizsla, Setter und Spaniel. Eine Jagdgebrauchsprüfung ist bei vielen dieser Rassen Zuchtvoraussetzung.
Selbstverständlich gibt es auch unter den Jagdspeziallisten immer wieder einzelne Hunde, die völlig untauglich für die Jagd sind und hervorragende Familienhunde abgeben. Aber davon sollte man bei der Anschaffung nicht ausgehen.
Nun musst man nicht zwingen Jäger sein, wenn man sein Leben mit einem Jagdhund teilt. Man braucht ja auch keine Schafherde, wenn man sich einen Hütehund oder gar einen Herdenschutzhund ins Haus holt. Aber es ist hilfreich. Vor allem für den Hund.
Kann oder möchte man nicht auf die Jagd gehen oder Schafe züchten ist das in Ordnung, sofern man den angeborenen Neigungen seines Hundes eine entsprechende artgerechte Auslastung anbietet. Und das ist nun mal nicht der tägliche Spaziergang ohne Aufgabe.
Daran sollte man vor der Anschaffung des neuen Familienmitglieds denken, das heißt: Sobald feststeht welche Rasse oder Rassemix der Neuzugang sein wird, solle sich jeder neben Körbchen und Hundebürste vor allem um die besonderen Talente der Lieblingsrasse Gedanken machen. Das gilt auch für Tierschutz-Hunde aus dem Ausland: Viele davon sind Hüte,- Herdenschutz- oder Jagdhunde. Keiner dieser Hunde wurde als Sofa- und Sonntagsspaziergang-Hund in Deutschland gezüchtet.
Eine fantastische Alternative vor allem für Retriever, Pudel und Setter ist die Dummyarbeit, für Vorstehhunde kann man die rassetypische Anzeige an Stelle des Apportierens trainieren. Ausgebildet wird genau wie für die Jagd, aber statt toter Ende wird das Dummy aus Stoff apportiert.
Und wisst ihr was? Das macht total Spaß! Und zwar allen, Mensch und Hund. Ich selbst bin sehr zufällig zum Dummytraining gekommen. Finn sollte eigentlich Rettungshund werden wie seine beiden Vorgänger. Nun fand Finn das gemeinsame Suchen mit mir total Klasse, aber dass da am Ende der Spur ein Mensch saß – das war ihm dann doch zu viel.
Gleichzeitig fing ich an bei hundeshop.de zu arbeiten und lernte dort die Dummies und das Zubehör kennen. Schnell hatte ich Bücher, Seminare und Facebookgruppen gefunden und seitdem bin ich infiziert. Und für Finn, der ja eigentlich jeden Sport liebt, ist es das Highlight schlechthin. Für seine Dummyjagd vergisst er alles. Und weil ich nun einmal im Herzen Hundesportler bin habe ich mir von den Profis zeigen lassen wie es richtig geht.
Meine Begeisterung für den Dummysport teile ich gerne mit euch und eurem Hund, deshalb bereite ich gerade einen Anfänger-Onlinekurs für euch vor. Er wird sich an alle richten, die den Dummysport kennenlernen und mit ihrem Hund ausprobieren wollen. Die Basics orientieren sich dabei an den Regeln der Dummyprüfung des Retrieverclubs, damit jeder, der Feuer fängt, in den Vereinssport wechseln kann.
Aber auch ohne Prüfungsambitionen: Dummytraining fördert die Bindung zwischen Mensch und Hund, beinhaltet viele nützliche Übungen für den Alltag und macht fast allen Hunden total viel Spaß. Du brauchst dafür keinen Retriever, große, kleine, junge und alte Hunde können mit Dummytraining sinnvoll beschäftigt werden.

Damit ihr euch schonmal vorab ein Bild machen könnt habe ich bei YouTube ein paar Videos zum Dummytraining eingestellt, klickt mal rein
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