Beziehung, Bewegung, Beschäftigung

Kennst du das: Du wachst um 3:49 Uhr auf, es ist stockdunkel und in deinem Kopf bewegen sich Worte, die dich auf ganz neue Gedanken bringen. Oder die Lösung für ein Problem, an dem du schon lange kaust.

Ist mir heute früh so ergangen. Und weil ich weiß, dass die Worte mich erstens nicht mehr einschlafen lassen, weil ich Angst habe sie zu vergessen, und ich trotzdem wieder einschlafen werde, bin ich aufgestanden, durch die Dunkelheit zum Schreibtisch getappt und habe die Worte auf ein Blatt Papier geschrieben.

Beziehung, Bewegung, Beschäftigung

Die 3 Säulen, auf denen das Leben mit meinen Hunden steht. Und das ist schon alles, was man braucht, ganz egal, ob du mit deinem Hund einfach nur ein gemütliches Leben führen möchtest, mit ihm gemeinsam im Hundesport durchstarten willst oder ihn für eine bestimmte Aufgabe an deiner Seite brauchst. Ist das nicht toll?

Beziehung

Wann immer Hund und Mensch sich begegnen entsteht eine Beziehung – auch wenn sie sich gegenseitig einfach aus dem Weg gehen. Mit dem eigenen Hund möchten wir unsere Beziehung auf eine vertrauensvolle Basis stellen. Die Art der Beziehung hängt vom Charakter und der persönlichen Sicht auf das Gegenüber ab. Für den einen Menschen ist der Hund ein Familienmitglied, für den anderen ein Sportpartner oder ein Kollege bei der Arbeit – je nachdem, was man gerade zusammen macht. Idealer Weise ist dein Hund alles: Freund, Familienmitglied und Partner für Sport oder Arbeit.

Für den Hund kann ein Mensch unbedeutend, angsteinflößend, Sicherheitsgeber, Futtergeber, Jagdpartner oder Spielkamerad sein. Je vertrauter man miteinander wird, umso intensiver wird unsere Beziehung und umso stärker wird die Bindung zwischen Mensch und Hund. Wir können einander verstehen und einschätzen, vertrauen einander und wissen wie weit man gehen kann und wann es dem anderen zu viel wird. Wenn ich die Grundbedürfnisse meines Hundes kenne und ihm ermögliche, diese auszuleben, kann ich diese intensive Bindung erreichen.

Bewegung

Hunde sind Bewegungstiere, ein natürliches, gesundes Hundeskelett ist das eines Ausdauerläufers. Degeneration aufgrund von Züchtung kann den Bewegungsdrang von Hunden enorm einschränken. Ganz ehrlich: Kann ein Hund sich aufgrund rassetypischer Körpermissbildungen nicht so bewegen, wie er es gerne tun würde, tut er mir leid.

Die natürliche Gangart des Hundes ist ein lockerer Trab. Dieser „Wolfstrab“ ist extrem energiesparend und ein gesunder, ausgewachsener Hund kann dieses Tempo über viele Kilometer beibehalten. Auch Rennen, Klettern und in Maßen Springen lieben die meisten Hunde. Unseren Hunde genügend Bewegung zu verschaffen ist daher auch zurecht in Deutschland im Tierschutzgesetzt verpflichtend festgehalten.

Es müssen aber nicht zwingend lange Joggingrunde sein – auch Spaziergänge in abwechslungsreichem Gelände oder Physio-Training helfen unserem Hund gesund zu bleiben. Wie Überall gilt auch hier: In Maßen gesundheitsförderlich, können übertriebene Belastungen (schneller – höher – weiter) ehr das Gegenteil bewirken.

Beschäftigung

Ich bin immer wieder erstaunt, dass viele Hundeliebhaber gar nicht wissen, zu welchem Zweck ihre bevorzugte Hunderasse eigentlich gezüchtet wurde. Dass der Labrador ein Jagdhund ist, der Sheltie ein Hütehund und der Yorkshire-Terrier speziell für die Jagd im Kaninchenbau gezüchtet wurde ruft nicht selten erstaunte Blicke hervor.

Hunderassen, die teilweise seit Jahrtausenden ihren Dienst erledigt haben, verkommen mehr und mehr zum reinen Familienhund. Genetisch sind sie aber Spezialisten mit ganz bewusst angezüchteten Verhaltensmustern. Wenn wir unseren Hund wirklich glücklich machen wollen, müssen wir ihm auch eine seinen Anlagen entsprechende Beschäftigung bieten. Und sie muss zum Hund passen – und zu seinem Menschen.

Nun kann man einen Labrador so fett füttern, dass er keine große Lust mehr auf ein aktives Jägerleben hat, den Yorkie in eine Handtasche stopfen und durch Reizüberflutung ruhigstellen und mit dem Vizsla oder Galgo auf jeder Gassirunde „Anti-Jagd-Training“ machen – fair finde ich das nicht. Du hast einen tollen, hoch talentierten und arbeitswilligen und dazu noch besonders hübschen Kameraden an deiner Seite – entdecke mit ihm ganz neue Abenteuer!

Ihr glaubt gar nicht, wie viele Menschen über den Familienhund zu Schafhaltern (Border Collie und andere Hütehunde), (Dummy-) Jägern (Retriever, Magyar Vizsla und andere Jagdhunde), Mushern (Husky und andere Schlittenhunde), Rettungshundeführern (Schäferhunde, Bracken und andere Gebrauchshunde) oder Großgrundbesitzern (Herdenschutzhunde und andere große Lagerhunde) geworden sind. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Probiert die ein oder andere Aktivität mit eurem Hund aus, ihr werdet ganz sicher genau das finden, was euch beiden einfach nur Spaß macht. Nichts ist so erfüllend wie mit dem Hund zusammen auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Und als Hundetrainerin habe ich jede Menge Ideen für Bewegung und Beschäftigung für Mensch und Hund und bei Bedarf auch um die Beziehung zu deinem Hund zu verbessern. Denn mein Wunsch ist es, dass Menschen und Hunde Freude miteinander haben. Manchmal braucht es dafür nur einen neuen Blick auf die Situation. Oder ein ausgelassenes Spiel, einen Abenteuerspaziergang, eine gemeinsame „Jagd“.

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