Samstag, Nikolaustag. Heute Nachmittag Kaffeetrinken mit den Enkelkindern. Parallel ist die Rettungshundestaffel heute und morgen auf dem Weihnachtsmarkt. Dieses Jahr ohne mich.
Ich sitze beim ersten Kaffee des Tages und warte mal wieder eine halbe Stunde oder noch länger, bis mein Laptop sich bereiterklärt, mit mir zusammen zu arbeiten. Fast geschafft, die Canva-App lädt noch, während ich immerhin das hier schon schreiben kann. Ein neuer Laptop war im September geplant – und dann kam das Leben dazwischen…
Also nutze ich die Zeit, die mein überforderter Laptop mir gewährt, und blättere das Kirchenblättchen durch, das auf dem Tisch liegt. Ich habe mich in den vergangenen Jahren sehr weit von Kirche und Glauben allgemein entfernt, ich halte die Existenz eines göttlichen Wesens schlicht nicht mehr für real, bei allem was hier auf dem Planeten und mir persönlich passiert.
Trotzdem blättere ich weiter. Eine interessante Ausstellung in der Krönchen-Kirche kurz vor Weihnachten, das interessiert mich, lege ich mal beiseite.
Und dann kommt ein Beitrag zur Jahreslosung 2026. „Siehe. Ich mache alles neu!“ sagt der christlich/jüdische Gott in der Offenbarung des Johannes (21,5).
Hm, ich komme ins Grübeln. Alles neu – sozusagen mein Jahresmotto 2025. Global: Künstliche Intelligenz, Klimaschutz als Luxusproblem abgeheftet und auf später verschoben, Deutschland auf dem Weg „kriegstüchtig“ zu werden. Menschen sterben durch Gewalt, Kriege, Hunger. Okay, letzteres ist nicht neu. Aber es wird schlimmer statt besser. Persönlich: Job größtenteils weg, sicheres Einkommen weg, kaum Erfolg als Hundetrainerin – alles neu in 2025, von allem überfordert.
Ich lese weiter. „Gott handelt, auch wenn wir es nicht immer sofort sehen können.“ Ich denke nach. Ja, stimmt: Vor einem Jahr habe ich noch gedacht, dass eine halbe Stelle beim Hundeshop auch ausreichen würde, ich mehr Zeit für meine eigenen Sachen und meine Hunde haben möchte. Nicht mehr im Dunkeln zur Arbeit und im Dunkeln nach Hause und im Dunkeln mit den Hunden Gassi gehen. Tja, das habe ich jetzt. Meinen Wunsch, dass ich dadurch keine finanziellen Einbußen habe, hat mir Gott – oder das Leben, Schicksal, Universum – nicht erfüllt. Denn mein Plan war ja Mitte dieses Jahres, dass ich das fehlende Geld mit Hundetraining reinhole.
Mir fällt ein Bild aus einem Kinderbuch von früher wieder ein. Eine Comic-Kirchenmaus ist darauf abgebildet, an der Wand ihrer Wohnung hängt ein Schild: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Ich denke oft an diesen Spruch. Heute kommt er mir wieder in den Sinn.
Ich blättere weiter. Die Gottesdienst-Termine für Weihnachten. Ich laufe über eine halbe Stunde bis zum Krönchen. Aber vielleicht mache ich das. An Heiligabend, wenn die Hunde versorgt sind, es draußen schon dunkel ist.
Ich lese weiter: „Lassen wir uns nicht lähmen vom Alten, das vergeht. Sondern stärken wir uns gegenseitig in der Hoffnung auf das, was wächst. Feiern wir kleine Zeichen des Neuanfangs. Halten wir einander aus im Übergang. Und vertrauen wir: Gott geht mit. Auch in dieser Zeit…An allen Orten, in einem jeden Leben.“ (Kerstin Grünert, Superintendentin Ev. Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein)
Ich habe im vergangene halben Jahr verdammt hart dran gearbeitet. So viele Stunden in Lernen, Gestalten und Werbung investiert. Immerhin: Ich habe einen Kurs in der Woche mit festen Kunden. Nicht in der freigewordenen Zeit an einem Nachmittag in der Woche. Nein, am Sonntagmorgen, den ich mir eigentlich für gelegentliches Training mit den Rettungshunden freihalten wollte.
Aber ich habe, wenn auch nur wenige, Kunden, die Geld bezahlen, um mit ihrem Hund unter meiner Anleitung Spaß zu haben. Und wisst Ihr was? Das ist doch ein Grund zu feiern – als kleines Zeichen des Neuanfangs!
Verpasse keine Neuigkeiten und Tipps und abonniere jetzt meinen Newsletter:
Mit dem Abonnieren des Newsletters bestätigst du die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiert zu haben







Kommentar verfassen