Am Anfang war der Wolf

Um es gleich vorweg zu sagen: Dein Hund ist kein Wolf im Designerpelz. Wolf ist Wolf und Hund ist Hund – zwei völlig eigenständige Spezies. Deshalb lässt sich weder Verhalten noch Ernährung einfach 1:1 vom Wolf auf den Hund übertragen.

Fest steht, dass der Haushund eng mit dem Wolf verwandt ist. Ihre DNA stimmt zu 99 % überein. Das entspricht so ziemlich genau der Verwandtschaft zwischen Mensch und Schimpanse. Und genau wie bei Mensch und Schimpanse gilt auch für Hund und Wolf, dass beide einen gemeinsamen Vorfahren haben.

Beim Hund geht man heute davon aus, dass er vor mindestens 15.000 Jahren (manche Quellen gehen von 20.000 bis 40.000 Jahren aus) durch gezielte Zuchtauswahl vom Wolf getrennt weiterentwickelt wurde.

Quelle: Nature: Die Genomgeschichte des Grauwolfs offenbart eine doppelte Abstammung der Hunde

Der Wolf hat sich in diesen Jahren natürlich auch weiterentwickelt, aber als Wildtier. Noch ist die Verwandtschaft zwischen Hund und Wolf eng genug, dass sie gemeinsam Nachkommen zeugen können, die ihrerseits auch wieder fortpflanzungsfähig sind. Das mag auch daran liegen, dass im Laufe der Jahrtausende immer wieder – gezielt oder unbeabsichtigt – Wölfe mit Hunden gekreuzt wurden.

Dass Hunde nach vielen zehntausend Jahren eine völlig eigene Art sind zeigen die australischen Dingos eindrucksvoll: Nach tausenden Jahren des Lebens in Freiheit haben sie sich zwar zu einer Wildhundeart zurückentwickelt, die Unterschiede zum Haushund aufweisen, jedoch haben sie sich nicht zum Ursprung Wolf zurück entwickelt. Heute werden sie allgemein als Wildhundeart geführt, die genetisch allerdings näher am Hund als am Wolf ist.

Quelle: Scienced Advances: The Australian dingo is an early offshoot of modern breed dogs, 2022

Was unterscheidet den Hund vom Wolf?

Neben deutlichen Unterschieden im Verhalten und natürlich im Aussehen hat sich auch das Gehirn der Hunde stark verändert.

Ein weiterer, für uns Hundehalter wichtiger, Unterschied: Hunde können Stärke verdauen, Wölfe nicht. Getreidefreies Hundefutter ist also im Grunde Unsinn, wenn der Hund gesund ist – wie beim Menschen eben auch.

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Hunde einfach mit den Resten der menschlichen Mahlzeiten gefüttert. Darunter waren neben Schlachtabfällen (extrem hochwertig als Hundefutter!) vor allem gekochte und gebackene Lebensmittel, Obst, Gemüse, Gras sowie Mäuse und Ratten.

So hat der Hundekörper „gelernt“ auch stärkehaltige Speisen zu verdauen. Das macht den Haushund zum Allesfresser, der, anders als Wolf oder auch Hauskatze, neben Fleisch auch pflanzliche Nahrung und Kohlenhydrate für eine ausgewogene artgerechte Ernährung braucht. Ein echt großer evolutionärer Sprung und vermutlich die älteste Anpassung des Hundes an das Leben mit Menschen.

Quelle: Nature: Die genomische Signatur der Hundedomestizierung offenbart die Anpassung an eine stärkereiche Ernährung, Erik Axelsson 2013

Foto: Wolfshybride Amorag, Forschungsstation Trumler, um 1990, Foto: Monika Münker

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