Gefangen im Kaninchenloch

Rabbit Hole – Kaninchenloch – das ist einer der Tricks, mit denen Social Media Kanäle uns gefangen halten. Mir ist das in den vergangenen Wochen zwar aufgefallen, aber erst ein Bericht in der ARD Mediathek brachte mich darauf: Ich stecke bei Instagram und Facebook in einem Kaninchenloch fest.

Ich bekomme nur noch wenige Posts angezeigt und fast ausschließlich geht es dabei um dubiose Hunde-Erziehungstipps, reißerische Berichte über von Wölfen gerissene Weidetiere und jede Menge Angebote, wie ich mich selbst optimieren muss um endlich erfolgreich zu sein. Vermutlich habe ich mal einen Beitrag oder Kommentar geliked, der mir gefiel.

Ich folge so vielen Seiten, Gruppen und Profilen, die wirklich interessante und wertvolle Inhalte posten – aber ich bekomme sie nicht mehr angezeigt. Das kann doch nicht der Sinn der Sache sein: Wenn man vielseitig interessiert ist hat man halt Pech gehabt. Es gibt 2 oder 3 Themen, auf denen ich vielleicht mal länger verweilt habe und bekomme nichts anderes mehr gezeigt?

Und obwohl mich das nervt und ich mich bei vielen der Postings auch schlecht fühle, wütend werde oder einfach nur den Kopf schütteln kann, verbringe ich ständig Zeit damit nachzuschauen, was sich auf den Kanälen gerade tut. Die Angst etwas zu verpassen – auch so ein Trick, der bei mir total funktioniert. Und das, obwohl ich die Nachrichten die mich wirklich interessieren würden, gar nicht mehr angezeigt bekomme.

Und genau so wird die öffentliche Meinung manipuliert und gesteuert: Alles, was starke Reaktionen wie Angst und Wut auslöst und unsere Verweildauer erhöht wird vom Algorithmus als wichtig erkannt und vermehrt gezeigt. Postersteller wissen das und kreieren deshalb immer schlimmere Postings, egal ob Fakt oder Fake – Du bekommst das serviert!

Bei mir sind es gerade die Wölfe, bei anderen sind es Ernährungstipps, Makeup, Haushaltstipps oder je nach Gesinnung politische Postings, die genau der eigenen Meinung entsprechen. Und wenn alle (die ich zu sehen bekomme) meiner Meinung sind, dann ist das doch richtig, oder?

Meine Meinung zu unserer heimischen Natur, in der Wölfe seit etwa 10 Jahre wieder dazugehören, war ja immer klar. Sind halt wilde Tiere, Beutegreifer, für Haustiere sollten die verantwortlichen Menschen entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen. Und dass eingesperrtes Weidevieh, das nicht flüchten kann und in Panik gerät einen Wolf in Blutrausch versetzt ist längst bekannt (seit mehreren tausend Jahren, der Wolf unter den Schafen ist nicht umsonst ein geflügeltes Wort).

Früher waren Hirten bei der Herde, die hüteten des Nachts ihre Schafe (stammt aus irgendeinem alten Buch, habe ich um Weihnachten herum gehört) *Quelle: Bibel, Lukas 2, Vers 8

Heute werden Schafe mit dünnen Fäden gesichert alleine draußen bei Minustemperaturen irgendwo im Wald eingesperrt. Und wenn der Hirte ab und zu mal vorbeischaut, ups, da hatte der Wolf aber so richtig Spaß.

Ich könnte mich mit meiner Meinung nun tatsächlich in den Sozialen Medien einbringen und viel Hass ernten, und Zuspruch, je nachdem wer es liest. Und Bekanntheit und Reichweite erlangen.

Jedenfalls drängt mich alleine die Menge an Wolf-Schaf-Abschießen-Postings nahezu zum Verweilen und Agieren auf der Plattform. Und ich komme ins Grübeln: Offenbar lebt jeder zweite Mensch in Nordrhein-Westfalen allein von der Schafhaltung und offenbar ziehen hunderte Wölfe durchs Land mit nur einer Absicht: All diese Schafe zu töten. Und danach all unsere Kinder.

Stop – Hier stimmt was nicht

Ich habe den Eindruck, als gäbe es nur noch dieses Thema und alle Facebook-Nutzer diskutieren darüber. Stimmt aber nicht: Nur ich bekomme diese Auswahl an Posts, genau auf mich zugeschnitten mit dem einzigen Zweck auf der Plattform viel Zeit zu verbringen, um viel Werbung zu konsumieren.

Auf der anderen Seite werden meine nahezu täglichen eigenen Posts und Stories meist wenig beachtet, überwiegend immer von denselben Leuten, die ich in der Regel persönlich kenne. Weder die Anzahl meiner Follower noch der Likes oder gar Kommentare haben sich in den vergangenen Monaten nennenswert erhöht, noch habe ich auch nur einen einzigen Kundenauftrag darüber erhalten. Immerhin: Mir macht das Erstellen der Posts wirklich viel Spaß, sozusagen ein nettes kreatives Hobby.

Nun weiß ich ein bisschen was darüber, wie Social Media Algorithmen funktionieren und werde versuchen, mehr wirklich interessante Beiträge zu sehen. Im Grunde aber ist das Problem ein anderes: Ich verbringe viel Zeit mit unnützen und oft auch falschen Infos. Zeit, die ich besser mit meinen Hunden, im Wald, mit Büchern oder echten Menschen und Erlebnissen verbringen sollte.

Daher ist einer der guten Vorsätze fürs nächste Jahr: Wenn schon Bildschirmzeit, dann um wirklich produktiv zu arbeiten: Blogbeiträge und Onlinekurse schreiben, die dir und deinem Hund wirklich weiterhelfen. Gründlich recherchiert, so wie ich es gelernt habe, in Fachbeiträgen, Büchern und bei seriösen Fachleuten, mit echtem Mehrwert in Form von Wissen und Fakten. So, wie du es erwarten darfst. Versprochen!

Ach ja: Das süße Kaninchenbild hat mir ChatGPT gebastelt, während ich diesen Text geschrieben habe.

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